Fahrbericht: Nissan Silence S04 L7e mit zwei Akkus – rollender Parklückenfinder
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Knuffig steht er da – auch wenn der Nissan Silence S04 in seiner Schwarz-Weiß-Lackierung fast etwas zu förmlich wirkt. Apropos Form: Lächelnd kommentieren Passanten, was dies denn für ein lustiger Schuhkarton sei. Man fühlt sich zurückversetzt in Zeiten, als der Smart die Autowelt ein bisschen revolutionierte. Mittlerweile gibt es jedoch schon das eine oder andere sogenannte Microcar à la Microlino, sodass sich die helle Aufregung von damals nicht mehr in dem Ausmaß entfaltet.
Ist der Silence S04 L7e ein Auto oder nicht?
Streng genommen ist der Silence S04 L7e gar kein Auto, sondern ein Leichtfahrzeug mit Pkw-Zulassung. Der 2,28 Meter lange Winzling ist mehr hoch (1,57 m) als breit (1,27 m), was ihm ein eigentümliches Aussehen verleiht und eine sorgsame Umgangsweise in Kurven ratsam macht. Stichwort: Kippfaktor.
Damit wäre man auch schon bei einer wesentlichen Betrachtung: Wer den Silence S04 als ummanteltes Motorrad betrachtet, kommt problemlos damit zurecht, dass er zwar Sicherheitsgurte, aber keine Airbags, kein ABS, geschweige denn ESP an Bord bereithält. Der Zweisitzer hat eine spartanische Ausstattung mit zwei leicht versetzt montierten Kunststoff-Schalensitzen. Zwei Insassen gehen im Silence S04 unweigerlich auf Tuchfühlung. Der etwas zerklüftete Kofferraum fasst 247 Liter.
Zur Konnektivität wird das eigene Smartphone mittels vorhandenem Kabel eingestöpselt, sodass Musik und Navi ordentlich in Betrieb genommen werden können. Vor dem vollwertig-handlichen Lenkrad, das ebenso erstaunlich luxuriös wirkt wie die elektrischen Fensterheber und Außenspiegelversteller, sitzt die digitale Kommandozentrale des Silence S04. Hier können auch alle Bordinfos zu Ladestand, Reichweite sowie zu Fahrprogrammen abgerufen werden.
Silence S04 L7e – Microcar mit herausfordernden Bremsen
Angetrieben wird das flüsterleise Leichtgewicht, das fahrbereit gerade mal 517 Kilogramm (inkl. Akkus) wiegt, von Radnabenmotoren an den Hinterrädern. Strom dazu liefern zwei 5,6-kWh-Batterien (je 41 kg) unter den beiden Sitzen. Einen Überblick hat man sich im Silence S04 schnell verschafft, sodass unverzüglich die erste Testfahrt beginnen kann. Per Lenkstockhebel geht’s vorwärts, rückwärts oder zum Parken auf Neutral, wobei zusätzlich die elektrische Parkbremse betätigt werden muss. Mit den Fahrprogrammen Eco, City und Sport lassen sich wie bei allen Elektroautos die Leistung und Bremsenergie-Rückgewinnung beeinflussen.
Nun kommt allerdings das große Aber des Silence S04: Der Elektro-Floh hat weder Servolenkung noch Bremskraftverstärker. Vor allem Letzteres erfordert konzentriertes Herantasten an jegliches Verzögerungsmanöver. Denn es bedarf eines frühzeitigen und beherzten Drucks aufs Bremspedal, zumal man elektrotypisch rasch beschleunigen kann. Die Höchstgeschwindigkeit des stärksten Silence S04 mit 14 kW/19 PS liegt immerhin bei 85 km/h.
Ebenfalls im Angebot ist ab 14.095 Euro eine schwächere L7e-Variante des Silence S04 mit nur einem Akku. Damit schrumpft die Reichweite des 7 kW/10 PS leistenden Microcars auf 76 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 70 km/h abgeregelt. Ab 11.995 Euro gibt es den Silence S04 auch als L6e-Version, die bis 45 km/h fährt.
Der Silence S04 findet Platz auch in der kleinsten Lücke
Gewöhnungsbedürftig ist ebenso die – gelinde gesagt – straffe Federung. Die muss man mögen und sich darauf einstellen. Ansonsten gelingt die Freundschaft mit dem Wägelchen überraschend schnell. Natürlich bereitet es Frohsinn, wenn man sich wieselähnlich mit einer Reichweite von rund 150 Kilometer durch den Verkehr schlängelt, was auch auf Landstraßen völlig gelassen gelingt. Ein Riesen-Pluspunkt zeigt sich zudem bei der Suche nach Parklücken. Bei diesen Außenabmessungen schauen andere Verkehrsteilnehmer nur neidisch zu: Wir konnten eine kleine Bucht direkt quer parkend nutzen.
Wie wird der Silence S04 mit Strom geladen?
Die Grundidee fürs Stromtanken ist, die Energie immer aus der Haushaltssteckdose zu holen. Entweder dockt man mittels beiliegendem Ladekabel den Silence S04 direkt an den Stromanschluss an, oder man nimmt die mit einem Rollensystem verbundenen Akkus einzeln aus ihrer Schale unterm Sitz und zieht sie wie einen Rollkoffer zur gewünschten Ladebuchse. Das Gewicht von 41 Kilogramm pro Batterie ist jedoch nicht zu unterschätzen. Dieses einfach mal kurz eine Treppe hochzuwuchten, verlangt ordentlich Kraftaufwand. Eine volle Ladung von Null auf 100 Prozent dauert zwischen sieben und neun Stunden.
Wer interessiert sich am meisten für den Silence S04?
Bleibt die Frage nach der Zielgruppe des Silence S04. Offenbar sind es gleichermaßen Jüngere wie Ältere. Allerdings handelt es sich nicht um die mutmaßlich großen Ballungsgebiete, wo man nach dem Microcar greift: „Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Silence- Kundschaft vermehrt aus mittelgroßen Städten mit ländlich geprägtem Umland kommt“, sagt Dr. Allegra Fistek, Markenmanagerin für Silence bei Nissan Deutschland.
Technische Daten Nissan Silence S04 L7e mit zwei Akkus
| Motor | Elektro: 14 kW/19 PS, 111 Nm |
| Normverbrauch | 11,7 kWh, 0 g CO2/km (WLTP) |
| L x B x H | 2,28 x 1,27/k. A. x 1,57 m |
| Kofferraum | 247 l |
| Zuladung | 179 kg |
| Anhängelast | Keine |
| Stützlast | Keine |
| Akku-Kapazität | 11,2 kWh (2 Akkus à 5,6 kWh) |
| Reichweite | 157 km |
| Preis ab | 16.745 € |
Impressionen
Gundel Jacobi
hält den Silence S04 L7e mit zwei Akkus für ein pfiffiges Microcar-Modell, dessen Kröten man zu schlucken bereit sein muss: typische Sicherheits-Abstriche und ein Nicht-Schnäppchen-Preis.
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