Drei Skifahrer stehen auf einem Aussichtssteg aus Stahl und genießen den Blick auf die verschneiten französischen Südalpen.

Skiurlaub in den französischen Südalpen: Serre Chevalier und Les 2 Alpes

3 min

22.01.2026

In Frankreichs Südalpen überraschen zwei Skigebiete: Serre Chevalier setzt auf Nachhaltigkeit und günstige Skipass-Preise, Les 2 Alpes trumpft mit Europas größtem Skigletscher auf.
 

Die Überraschung wartet hinter einer Geländekuppe. Nur unser andächtig gehauchtes „Ahh“ unterbricht die lautlose Fahrt im Sessellift. Die riesige weiße Schüssel, die sich unter dem Gipfel des Cibouit auftut, erinnert unweigerlich an die legendären Back Bowls im amerikanischen Vail. Colorado ist weit, Frankreich viel näher. Auch hier finden Freerider ihr Dorado – endlos weite Hänge und ein trockener Pulvertraum prägen das Skigebiet Serre Chevalier in den Südalpen.

Das Skigebiet von Serre Chevalier begeistert mit tollem Panorama und variantenreichen Abfahrten. Video: Stefan Gruber/Schnitt: Simone Eber/Musik: Ievgen Poltavskyi/Pixabay

Serre Chevalier: Austragungsort der olympischen Winterspiele 2030

Serre Chevalier? Nur eingefleischte Brettlfans dürften hierzulande schon etwas von dem Resort in der Region Provence-Alpes-Côtes d’Azur gehört haben. Dabei zählt das Skigebiet, dessen Anfänge bis 1941 zurückreichen, nicht nur zu den ältesten der Grande Nation, sondern mit 250 Pistenkilometern durchaus zu den größeren im Alpenrund. 
Die Erreichbarkeit allerdings setzt Hürden. Wer die gut 700 Kilometer (von München aus gerechnet) durchs Tessin und vorbei an Mailand und Turin unter die Autoreifen nimmt, sieht sich am finalen Col de Montgenèvre noch mit mühevoller Passkurverei konfrontiert. 

„Nur 25 Prozent unserer Gäste kommen aktuell nicht aus Frankreich“, erzählt Lisa Gibello. Die Sprecherin von Serre Chevalier hofft auf baldige Änderung: „Die olympischen Winterspiele 2030 sollen für einen Bekanntheitsschub sorgen.“ In „Serre Che“, wie die Einheimischen nur sagen, werden dann die Freestyle-Wettbewerbe ausgetragen.

Beschauliche Dörfer sorgen in Serre Chevalier für Flair

Dabei hat es dem Tal der Guisane in der Vergangenheit nicht an Bekanntheit gemangelt. Schon die Römer siedelten in der Region, in der sie nicht zuletzt die heilsamen Thermalquellen. schätzten. Die Festungsstadt Briançon, die sich seit 2008 mit dem Titel UNESCO-Weltkulturerbe schmückt, ist der zentrale Talort des Areals. 

Enge Gassen und bunte Fassaden sorgen in Serre Chevaliers Hauptort Briançon für ein lauschiges Ambiente. Video: Stefan Gruber/Schnitt: Simone Eber/Musik: Den/Pixabay

Die lange Kulturgeschichte prägt neben Briançon auch die drei Dörfer Chantemerle, Villeneuve und Le Monêtier les Bains. In jedem Ort eröffnen moderne Bahnen den Zutritt ins Skigebiet, die sterile Haptik vieler Retortenstationen etwa im nördlichen Savoyen allerdings fehlt. 
Enge Gassen, urige Mühlen und gut 50 meist romanische Kirchen, vor deren Portalen oft Löwen aus rosafarbenem Marmor wachen, bestimmen vielmehr das Bild. Ein Hingucker sind die 65 Sonnenuhren an verwitterten Hausfassaden. Und für die atemberaubende Kulisse sorgen die beeindruckenden Gipfel des südwestlich gelegenen Nationalparks Écrins. 

Faire Skipass-Preise und Einsatz für Nachhaltigkeit

Noch in anderer Hinsicht wirft Serre Chevalier so manches Klischee über Bord. Da lässt etwa der Skipass-Preis aufhorchen. Mit 65,50 Euro liegt der Tagessatz in der Hochsaison spürbar unter dem Niveau ähnlich großer Gebiete etwa in Österreich (Ischgl 79 Euro, Arlberg 81,50 Euro). 

Mann in Skikleidung steht in einer Halle vor Beschneiungsanlage.
Frédéric Arnould, der technische Direktor von Serre Chevalier, erklärt in der Zentrale der Beschneiung, welche Maßnahmen das Skigebiet für die Nachhaltigkeit ergreift. Foto: Stefan Gruber

Frischer Wind ist auch beim Thema Nachhaltigkeit spürbar. „Wir produzieren nicht nur grünen Strom aus Wasser, Wind und Sonnenenergie, wir reduzieren seit Jahren auch konsequent unseren Verbrauch“, erklärt Frédéric Arnould, der technische Direktor von Serre Chevalier. 34 Prozent der erforderlichen Energie werden selbst erzeugt. Jedes neue Gebäude erhält eine Photovoltaikanlage. Um Strom zu sparen, laufen die Liftanlagen bei geringerem Andrang auch mal langsamer. 

Und schließlich profitiert das Gebiet von seiner Höhe – 80 Prozent der Pisten liegen über 2.000 Meter. „Wir benötigen nicht so viel künstlich erzeugten Schnee“, sagt Arnould. Nur knapp 30 Prozent der Pisten erhalten Flockennachschub aus den „Kanonen“ – und das sogar GPS-gestützt, um eine unnötige Produktion zu vermeiden.

Skifahrer fährt im Skigebiet Mont Serre Chevalier vor verschneiter Bergkulisse eine Zipline hinunter.
Wer Lust auf Abwechslung vom Skifahren hat, kann am Mont Serre Chevalier eine Zipline hinuntersausen. Foto: Thibaut Blais

Zipline-Fahrten oder Barbecue im Schnee – Serre Chevalier präsentiert sich abwechslungsreich

So groß das Areal der Abfahrten ist, so groß ist die Zahl nicht alltäglicher Attraktionen. Die lichten Lärchenwälder, die sich hier in den Südalpen bis auf 2.200 Meter hochziehen, dürfen in ausgewiesenen Bereichen als natürlicher Stangenslalom (Treeskiing) genutzt werden. Wer die warme Frühjahrssonne mit einem panoramareichen Grillnachmittag im Schnee verbinden will, kann sein (selbst mitgebrachtes) Entrecôte an drei Picknick-Stationen brutzeln. 
Für den Nachwuchs ist ebenfalls gesorgt. Erste Bögerl werden im neuen Anfängerpark auf 2.300 Meter am Méa-Plateau gezogen, während Adrenalinjunkies mit Tempo 100 die gut einen Kilometer lange Zipline am Mont Serre Chevalier hinuntersausen. 
Und wer beim Wedelschwung – vielleicht sogar bei Nacht - auch noch ein Auge für das malerische Briançon übrig hat, nutzt die Piste „Grande Gargouille“. Lisa Gibello ist von der Einzigartigkeit überzeugt: „Wo sonst gibt es eine Abfahrt mit einem Blick auf eine Welterbe-Stadt?“

Von Serre Chevalier nach Les 2 Alpes

Wild, wilder, am wildesten? Manchmal sind Steigerungen berechtigt. Zum Beispiel auf der 3.400 Meter hoch gelegenen Plattform Belvédère des Écrins. Beim Blick Richtung Süden wird auch für bergaffine Besucher die Luft dünn – faktisch wie visuell. 
Wie eine Melange von felsigen Dolomiten und schneegekrönten Walliser Eisriesen liegen die Gipfel des Écrins-Massivs – jetzt aus anderer Perspektive betrachtet – zum Greifen nah. Ein letztes Mal schwingen sich die Alpen hier über 4.000 Meter auf, ehe sie dann in die sanften Seealpen übergehen. Der fulminante Aussichtssteg aus Stahl und Glas ist eines der Highlights im Skigebiet Les 2 Alpes. 

Blick auf die Anlage einer Gondelbahn inmitten verschneiter Bergkulisse.
Die neue Jandri-Bahn im Skigebiet Les 2 Alpes sorgt für einen schnellen Transport der Skifahrer ins Gletscher-Skigebiet. Foto: Pyrène Duffau

Rasante Gletscherfahrt mit Gondel und Standseilbahn

Hinauf kommt man seit letztem Winter rasend schnell. Die 34-Personen-Gondel der neuen Jandri-Bahn schaufelt die Skifahrer in 17 Minuten auf 3.200 Meter, zum finalen Gipfelsturm geht es dann unter den Gletscher. In leuchtendem Blau taucht die Standseilbahn Funiculaire 50 Meter unterm Eis bis zur Station Puy Salié.
Wer auf der Abfahrt die Herausforderung sucht, wählt die schwarze Super-Diable-Piste. Halbwegs gerade sollte man im Steilhang aber auf den Kanten stehen, schließlich beobachten zig Augenpaare den Buckelritt hautnah wie genüsslich von der Terrasse des Gourmetrestaurants Diable au Coeur.
Weniger ambitionierte Skifahrer überwinden die 2.000 Höhenmeter bis in den Ort ganz gemütlich auf blauen Strecken. 

Gletschererlebnis in Les 2 Alpes: Von der Standseilbahn geht’s zur Aussichtsplattform, dann folgt die Abfahrt mit Einkehr in einer Gourmethütte. Video: Stefan Gruber/Schnitt: Simone Eber/Musik: DELOSound/Pixabay

Panorama-Flug am Gleitschirm in Les 2 Alpes

Der Weg ins Tal kann auch mit einem Tandemflug am Gleitschirm abgekürzt werden. Das lautlose Vergnügen, gewürzt durch manch steile Pirouette, öffnet das Panorama jetzt über 360 Grad.

In Les 2 Alpes lässt sich der Weg vom Gletscher ins Tal auf einem aussichtsreichen Tandemflug am Gleitschirm zurücklegen. Video: Stefan Gruber/Schnitt: Simone Eber/Musik: Mikhail Smusev/Pixabay

Quirlig, hip und dynamisch ist die Stimmung in Les 2 Alpes. Ein Shop reiht sich an die nächste Bar, 80 Restaurants verwöhnen das – meist junge – Publikum. Wer sich doch nach etwas Ruhe sehnt, nimmt die Seilbahn hinunter ins verwinkelte Künstler- und Handwerkerdorf Vénosc. Und schon fühlt man sich wieder versetzt in die geschichtsträchtigen Dörfer drüben im Tal der Guisane im Skigebiet Serre Chevalier.

ARCD-Reiseservice Serre Chevalier & Les 2 Alpes

Serre Chevalier

  • Skigebiet: 250 Pistenkilometer (55 % blau, 32 % rot, 13 % schwarz) bis auf knapp 2.800 m Skipass: 6 Tage 355 € (Kinder 274,50 €, Senioren 305 €)
  • Unterkünfte: Apartments überwiegen, direkt an der Talstation in Chantemerle verspricht das Grand Hotel behaglichen Komfort.
  • Infoswww.serre-chevalier.com

Les 2 Alpes

  • Skigebiet: 200 Pistenkilometer (55 % blau, 28 % rot, 17 % schwarz) bis auf 3.600 m
  • Skipass: 6 Tage 326,50 € (Kinder 261,50 €, Senioren 305,50 €)
  • Unterkünfte: Viele Apartments. Ein nettes Boutiquehotel mit herausragender Küche ist das Le Chamois Lodge.
  • Infos: www.les2alpes.com
Portraitbild von Stefan Gruber

„Die Vielfalt der Wintersportoptionen in den französischen Südalpen hat mich überrascht. Ein Höhepunkt der Recherchereise war für mich die atemberaubende Bergwelt rund um das Écrins-Massiv.“

Stefan Gruber

ARCD-Newsletter

Bleiben Sie immer informiert!

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und erhalten Sie informative Beiträge und hilfreiche Tipps rund um Mobilität und Reise direkt in Ihr Postfach.

Außerdem warten attraktive Aktionen und Gewinnspiele auf Sie.
 Wir freuen uns darauf, Sie als Abonnenten willkommen zu heißen!

 

Jetzt anmelden

Kategorien