Blick auf eine Landzunge mit Sandstrand umgeben von türkisblauem Wasser. © Kalle Kolodziej

Formentera: Tahiti des Mittelmeers

3 min

27.02.2026Claudia Diemar

Formentera, die kleinste der bewohnten Baleareninseln, ist eine fragile Schönheit. Erhalten werden kann die paradiesische Natur nur durch konsequent nachhaltige Nutzung und umfassenden Umweltschutz – die Insel als Beispiel für den Versuch eines sanften Tourismus.
 

Passagierfähre im Mittelmeer, dahinter eine Hafenstadt mit Festung und hügeliges Hinterland.
Formentera ist nur mit der Fähre zu erreichen. Die Fahrt von Ibiza-Stadt dauert eine knappe Stunde. Foto: Claudia Diemar

Lange war der Seeweg der einzige Zugang zu Inseln. Formentera ist noch heute nur mit dem Schiff zu erreichen. Ein Flughafen findet sich nur auf der „großen Schwester“ Ibiza. Aber spätestens auf dem Sonnendeck der Fähre, die in Ibiza-Stadt ablegt, beginnt der Urlaub. In weniger als einer Stunde pflügt das Schiff durch das tiefblaue Meer hinüber nach La Savina, dem einzigen Hafen von Formentera.

Formentera ist mit nur gut 82 Quadratkilometern die kleinste der Baleareninseln. Sie gehört zur Untergruppe der Pityusen, einem Archipel aus neun Eilanden und zahlreichen Felsen, von denen allein Ibiza und Formentera bewohnt sind. Der Begriff Pityusen geht auf die Griechen zurück, die die Inseln wegen ihres Reichtums an Pinienwäldern so benannten.

Wie viele Einwohner Formentera hat? Reiseführerin Elena Frías kann es nicht genau sagen. Da Einheimische 90 Prozent Ermäßigung auf den Fähren erhalten, meldet sich auch mancher eingefleischte Insel-Fan bei Bekannten an, um zu den echten „Formenterenq“ gezählt zu werden. Im Winter sollen es etwa 12.000, im Sommer dagegen mit Gästen rund 40.000 sein.

Radfahrer fahren auf einem Damm an Salinenbecken vorbei.
Die reizvolle Landschaft der alten Salinen ist ein beliebtes Ziel für Fahrradtouren. Foto: Turismo Formentera

Wasser ist auf Formentera ein Luxusgut

Formentera verfügt über keinerlei natürliche Süßwasservorkommen. Heute wird das Wasser per Schiff gebracht. „Früher gab es nur das Regenwasser, das von den Dächern in Zisternen geleitet wurde“, erklärt Rad-Guide Manuela Sanzogni.
Formentera war schon immer eine Insel, die mit Trockenheit kämpfte. „Doch der Klimawandel lässt das Problem immer schlimmer werden“, sagt Manuela und ergänzt: „Die Luftaufnahmen der letzten Jahre zeigen es: Es findet sich immer weniger Grün. Anders als früher gibt es kaum noch winterliche Regenperioden.“ 
Umso wichtiger sind die Feuchtgebiete nahe der alten Salinen und der beiden Brackwasserseen Estany des Peix und Estany Pudent, die zum Naturschutzgebiet erklärt wurden. Zugvögel können sich hier erholen und nisten.

Der Tourismus auf der Insel begann mit den Hippies

Formentera war schon früh besiedelt. Mehr als 4.000 Jahre alte Megalithgräber zeugen davon. Später kamen Phönizier, Griechen und Römer, die der Insel ihren Namen gaben: „Frumentaria“ nannten die Latiner sie, wegen ihrer vielen Getreidefelder. Noch immer ist Formentera eine bäuerlich geprägte Insel. Kurios wirken die riesigen, in die Breite gezüchteten Feigenbäume, unter denen Schafe und Rinder im Sommer Schutz vor der Hitze suchen. 

Blick auf ein Geschäft mit farbenfroher Auslage in einer Gasse.
In der Inselhauptstadt Sant Francesc laden kleine Lädchen und autofreie Gassen zum Bummeln ein. Foto: Thomas Reinhardt

Irgendwann in den 1950er-Jahren tauchten die ersten Reisenden auf: Künstler und Individualisten, gemeinhin Hippies genannt. Im damals einzigen Gasthof der Insel, der noch heute existierenden „Fonda Pepe“ in Sant Ferran, fanden sie schlichte Unterkunft. Wenn ihnen das Geld ausging, fütterte Wirt Pepe sie zur Not durch. Die meisten der Hippies schliefen damals am Strand. Die meisten Formenterenq begegneten ihnen mit Toleranz. 

Sant Francesc ist der beschauliche Hauptort der Insel. Er bezaubert mit der imposanten Wehrkirche, dem vormittäglichen Markttreiben, autofreien Gassen, kleinen Lädchen und Ateliers sowie Cafés und Kneipen. Auch eine kommunale Kunstgalerie gibt es. Direkt gegenüber findet sich ein Laden mit Inselgemüse in Bio-Qualität. „Später kommt noch mehr“, entschuldigt sich die nette Verkäuferin Veronica Yern für das begrenzte Angebot am Morgen.

Weniger Pkw-Verkehr zum Schutz der Umwelt

Formentera übte seit Langem eine magische Anziehungskraft auf Individualisten aus aller Welt aus. Etliche davon kamen aus Deutschland wie etwa Musiker Ekki Hoffmann, der in seiner Werkstatt „Formentera Guitars“ in Sant Ferran dreiwöchige Kurse im Gitarrenbau gibt. Seit 1989 lebt Ekki auf der Insel und er tut es gern. „Immerhin haben wir auf ganz Formentera noch keine einzige Ampel“, grinst er zufrieden. 

Zwei Radler fahren auf einem Weg in Richtung Meeresufer.
Viele sehenswerte Punkte auf der Insel sind nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar. Foto: C. Geppert

Um den Verkehr zu bändigen, dürfen Fahrzeuge nur nach bestimmten Quoten und Voranmeldung auf die Insel gebracht werden. „Jedes Jahr wird die Anzahl um zwei Prozent verringert“, so Elena Frias. Roller und vor allem Fahrräder sind die bevorzugten Verkehrsmittel. 

Viele besonders schöne Punkte wie das Cap de Barbaria lassen sich nur zu Fuß oder per Rad erreichen. Rund 100 Kilometer „grüne Wege“ wurden zu diesem Zweck eingerichtet. „Wegen der sommerlichen Hitze sind E-Bikes optimal geeignet, um die Insel zu erkunden“, erklärt Bartolomé Torres, der einen Verleih betreibt. Bartolomé rät dazu, Formentera außerhalb der Hochsaison zu besuchen. 

Traumstrände auf der Landzunge Es Trucadors

Formenteras größtes touristisches Kapital sind seine langen, geradezu paradiesischen Strände. „Aber im Hochsommer findest du hier Handtuch an Handtuch“, so Bartolomé. Vor allem im Norden, wo die beiden Strände der Platja de Ses Illetes und der Platja de Llevant auf der schmalen Landzunge Es Trucadors in unmittelbarer Nachbarschaft liegen, ist dann Hochbetrieb. „Spätestens ab elf Uhr ist die Zufahrt für Autos deshalb gesperrt“ so Elena Frías. Nicht begrenzen lässt sich dagegen die Anzahl der Yachten, die Seite an Seite direkt davor ankern. 

Doch nicht überall dürfen die Boote vor Anker gehen. Zwischen Ibiza und Formentera finden sich nämlich mit einer Fläche von rund 700 Quadratkilometern die größten zusammenhängenden Seegraswiesen des Mittelmeeres. Streng wird kontrolliert, dass hier kein Anker fällt. Wer es dennoch tut, riskiert hohe Strafen. Seit 1999 ist dieser Unterwassergarten von der UNESCO als Schutzgebiet deklariert.


„Das Wasser gilt hier als noch glasklarer als etwa auf den Malediven.“

Claudia Diemar


Bunte Unterwasser-Landschaft mit Seegras und Fischen.
Die ökologisch bedeutsamen Seegraswiesen zwischen Formentera und Ibiza werden streng geschützt. Foto: Turismo Formentera

Tauchausflug mit Stopp auf der Insel Espalmador

„Neptungras, lateinisch Posidonia genannt, bindet mehr CO2 als Regenwälder“, so Nathan Lefèvre von „Formentera Divers“. Die kleine Firma im Hafen von La Savina bietet Schnorchel- und Tauchausflüge an. Auch ein Stopp am Strand der vorgelagerten Insel Espalmador muss sein. Spätestens hier wird klar, warum Formentera auch das Tahiti des Mittelmeeres genannt wird: Das Wasser gilt hier als noch glasklarer als etwa auf den Malediven. Dank des Neptungrases!

Zurück im Hafen muss noch ein Besuch im Atelier von Sol Courrèges Boné sein. Die aus Argentinien stammende Künstlerin hat sich auf Installationen aus Plastikmüll aus dem Meer spezialisiert: „Ich kam mit nichts auf die Insel – nun bin ich so etwas wie eine Botschafterin für Umweltschutz auf Formentera.“ 

Im Winter fertigen bis zu 4.000 Schulkinder bei ihr in Workshops eigene kleine Kunstwerke und werden so für das Problem des maritimen Plastikmülls sensibilisiert. Und einen Tipp hat die Künstlerin auch noch: „Im Winter ist Formentera am schönsten!“

Blick vom Wasser aus auf einen langgezogenen Sandstrand mit Dünen.
Die vorgelagerte Insel Espalmador wird häufig bei Schnorchel- und Tauchausflügen angesteuert. Foto: Claudia Diemar

ARCD-Reiseservice Formentera

Anreise: 

  • Flüge nach Ibiza von vielen deutschen Städten mit diversen Airlines ab ca. 200 € pro Strecke inkl. Gepäck. 
  • Vom Flughafen mit Bus oder Taxi zum Fährhafen Ibiza-Stadt, 
  • Fähre nach Formentera pro Strecke ab 33,45 € z. B. unter www.trasmapi.com

Unterkünfte: 

  • Hotel Blanco, elegantes Haus in Es Pujols wenige Schritte vom Strand;
  • Hotel RIU La Mola, gediegenes großes Haus direkt am Strand mit 2 Pools;
  • Hostal La Savina im Hafenort La Savina, nettes einfaches Haus.
  • Ferienwohnung und -häuser z. B. über www.formentera.es/de.
  • Camping ist auf der gesamten Insel verboten.

Erleben: 

Infos: 

Portraitbild Claudia Diemar.

„Ich liebe das Mittelmeer und seine Inseln. Mit seiner überschaubaren Größe fand ich Formentera besonders charmant.“

Claudia Diemar

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