Verwinkelte Dorfgasse mit Steinhäusern, Torbögen und Pflanzen.

Dorfschönheiten: Kleine Orte mit großem Charme

3 min

26.03.2026Thomas Schreiner, Jessica Blank, Wolfgang Sievernich, Bettina Glaser und Simone Eber

Viel erleben kann man nicht nur in Metropolen. Auch kleine Orte bieten oft Attraktionen und Traditionen, die von den Einheimischen liebevoll gepflegt werden. Wir stellen Dorfschönheiten mit besonderer Strahlkraft vor.
 

Mönchsondheim – ein Dorf, das sein Museum lebt

Im Herzen des Breitbachtals im Landkreis Kitzingen in Franken liegt ein Ort, der sein kulturelles Erbe nicht nur bewahrt, sondern aktiv gestaltet. Mönchsondheim ist eine Mischung aus Dorf und Museumsdorf – hier bildet das historische Ensemble aus Kirchenburg, Rathaus, Bauernhöfen und Schulgebäuden den lebendigen Mittelpunkt des Dorfgeschehens und kann von jedem als Kirchenburgmuseum besucht werden. Es ist dabei weit mehr als ein Freilichtmuseum: Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, getragen vom Engagement seiner Bewohner, die den historischen Kern des Dorfes einst vor dem Verfall retteten und bis heute mit Herzblut pflegen.

Paar spaziert an einem Fachwerkhaus vorbei.
Das historische Ensemble aus Kirchenburg, Rathaus (Foto), Bauernhöfen und Schulgebäuden bildet den lebendigen Mittelpunkt des Dorfgeschehens in Mönchsondheim. Foto: VMeshko

Ein einzigartiges „in-situ“-Freilichtmuseum

In den 1970er-Jahren stand die historische Kirchenburg vor dem Abriss. Die Bewohner schlossen sich zusammen, gründeten einen Verein und retteten das Ensemble. Freigelegtes Fachwerk und sorgfältig restaurierte Gebäude bilden heute ein seltenes „in-situ“-Freilichtmuseum, dessen Häuser noch an ihrem ursprünglichen Standort stehen – ein kultureller Schatz Bayerns.

Gelebte Dorfgemeinschaft und Tradition

Bis heute ist das Museum ein Gemeinschaftswerk. Viele der rund 160 Einwohner engagieren sich bei Festen, Führungen oder Aktionen. Ob Krautstampfen, Backen oder handwerkliche Vorführungen: Besucher erleben hier gelebte Tradition und echtes Dorfleben. 

Auto+Reise Redakteurin Bettina Glaser.

„Am lebendigsten erlebt man das Kirchenburgmuseum an den Festen wie dem Familienfest im Mai und dem traditionellen Herbst- & Kelterfest im Oktober. Dann gibt es spannende Vorführungen für Groß und Klein und viele tolle Mitmachangebote.“

Bettina Glaser

Nebel auf Amrum – ein waschechtes Friesendorf 

Reetgedeckte Häuser, schmale Gassen, historische Bauwerke und riesige Hortensien-Büsche: Nebel auf Amrum ist ein wachechtes Friesendorf zum Verlieben. Als eines von fünf Dörfern auf der nordfriesischen Insel lädt Nebel nicht nur zum Spazieren und Bummeln, sondern auch zum Verweilen ein. Bei einem Friesentee kann man zu einem Stück Friesentorte oder Friesenwaffel kaum nein sagen. Wer es lieber herzhaft mag, greift zu den Fischspezialitäten oder Pizza mit Nordseekrabben. Kulinarische Auswahl mit Cafés, Fischbrötchenbuden oder Restaurants gibt es genug. Sehenswert ist die historische Mühle mit Museum zur Inselgeschichte und das Öömrang Hüs, ein 1683 erbautes reetgedecktes Kapitänshaus. Dort ist das Amrumer Heimatmuseum zu Hause. 

Blick auf reetgedecktes Friesenhaus mit blühendem Baum.
Mit seinen reetgedeckten Häusern ist Nebel auf Amrum ein waschechtes Friesendorf. Foto: Amrum Touristik/Kai Quedens

Ein Ausflug zum Strand

Amrum ist für seinen zehn Kilometer langen und bis zu zwei Kilometer breiten Kniepsand berühmt – ist natürlich auch ein Muss. In Nebel bietet sich ein spektakulärer Anblick, sobald man auf den „Gipfel“ der Satteldüne geklettert ist. Besonders Sonnenuntergänge lassen sich dort wunderbar beobachten. Urlauber, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, radeln gemütlich über schöne Wege durch Wald, Heide und Dünen bis zum Strandaufgang. Ob Wassersport, gemütlich im Strandkorb liegen oder lange Spaziergänge bis ins Norddorf oder nach Wittdün – von dort aus ist alles möglich. Läuft man Richtung Wittdün, hat man immer den markanten, rot-weiß gestreiften Leuchtturm von Amrum im Blick. Der 1875 erbaute Leuchtturm ist mit 41,8 Metern der höchste begehbare Turm an der Nordseeküste. Wer die 297 Stufen bis zum Balkon erklommen hat, wird mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. 

„Ich habe Nebel während eines längeren Aufenthalts auf Amrum kennengelernt. Für uns war es immer wieder ein toller Anlaufpunkt für leckeres Essen, guten Kuchen und einzigartige Friesenhäuser.“

Jessica Blank

Rühstädt – Deutschlands storchenreichstes Dorf an der Elbe

Wenn im April die Störche aus ihren Winterquartieren zurückkehren, erwacht Rühstädt im Landkreis Prignitz im Nordwesten Brandenburgs zu neuem Leben. Dann wird es geschäftig zwischen Fachwerkhäusern, Wiesen und Elbdeichen: Bis zu 80 Weißstörche beziehen ihre Horste im Ort und prägen das Dorfbild wie kaum anderswo in Deutschland.

Auf manchen Dächern drängen sich gleich mehrere Nester – teils bis zu fünf auf einem einzigen Haus. Überall klappert es. Auf Schornsteinen, Scheunen und eigens errichteten Nestplattformen begrüßen die großen schwarzweißen Vögel ihre Partner oder verteidigen lautstark ihr Revier.

In Rühstädt nisten die Störche auf engstem Raum

Rühstädt gilt als storchenreichstes Dorf Deutschlands. Nirgendwo sonst nisten so viele Weißstörche auf so engem Raum. Das idyllische Dorf mit rund 500 Einwohnern liegt inmitten weiter Elbauen, Feuchtwiesen und Auenlandschaften – ein ideales Brutgebiet. 1996 erhielt Rühstädt deshalb den Titel „Europäisches Storchendorf“.

Für Besucher lohnt sich ein Rundgang durch das historische Zentrum. Besonders beliebt ist der Storchenlehrpfad, der spannende Einblicke in das Leben der Störche bietet. Die NABU‑Storchenschmiede informiert in Ausstellungen und Führungen über den Schutz der Tiere und ermöglicht eindrucksvolle Beobachtungen.

Storchennester auf einem Hausdach.
In Rühstädt nisten pro Jahr bis zu 40 Brutpaare des Weißstorchs. Foto: Wirtschaftsfördergesellschaft Prignitz mbH/Lukas Häuser

Auch ein barockes Schlosshotel lockt Besucher nach Rühstädt

Doch Rühstädt hat mehr zu bieten als Störche: Malerische Rad- und Wanderwege entlang der Elbe, stille Naturbeobachtungsplätze und die Nähe zur Hansestadt Havelberg machen den Ort zu einem attraktiven Ziel für Naturfreunde. Auch das barocke Schloss Rühstädt mit seinem Park – heute ein Hotel – lädt zum Verweilen ein.

Auto+Reise Redakteur Wolfgang Sievernich.

„Rühstädt liegt zwischen Havelberg und Wittenberge direkt am Elberadweg, über den man sogar bis ins rund 180 Kilometer entfernte Hamburg radeln kann. Neben Störchen und Schloss lohnt sich für Besucher unbedingt ein Abstecher in eines der beiden Cafés. Besonders lecker: die hausgemachten Kuchen.“

Wolfgang Sievernich

Nida – künstlerisches Juwel auf der Kurischen Nehrung

Erstmals 1385 urkundlich erwähnt, blickt Nida auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Schon vorher gab es in der Umgebung Siedlungen, doch Nida selbst entwickelte sich über Jahrhunderte eher langsam. Als militärisches Sperrgebiet blieb der Ort lange vom großen Tourismus verschont. Heute wohnen rund 1.500 Menschen hier – klein, aber die größte Ortschaft auf der einzigartigen Kurischen Nehrung.

Nida als Künstlerkolonie

Ab Ende des 19. Jahrhunderts verwandelte sich Nida in eine bedeutende Künstlerkolonie. Maler wie Ernst Mollenhauer oder Max Pechstein ließen sich vom Licht, den Dünen und der unberührten Natur inspirieren. Ein Höhepunkt war 1929, als Thomas Mann das kreative Treiben in Nida bereicherte und ein Sommerhaus errichten ließ. Auch Carl Zuckmayer fand sich in dem kleinen Örtchen ein. Die Künstlerkolonie mit einem Gasthof als Zentrum galt als Schmelztiegel für Expressionismus, Avantgarde und literarische Experimente – kurzum für künstlerische Innovation. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs endete diese Ära jedoch. Das Memelland fiel wieder an das Deutsche Reich, viele Kunstwerke wurden als „entartet“ gebrandmarkt.

Fischerhaus und Fischerboot in Nida auf der Kurischen Nehrung.
Traditionelle Holzhäuschen und auf Masten montierte Kurenwimpel der Fischer prägen das Zentrum des kleinen Örtchens Nida am Kurischen Haff. Foto: stock.adobe.com/© arunas 0220

Nida heute – Natur, Kultur und Erinnerung

Heute lebt die künstlerische Tradition jedoch weiter: Das Thomas-Mann-Kulturzentrum in dessen einstigem Sommerhaus erinnert an die legendäre Zeit der Kolonie. Besucher können entlang der Strandpromenade die landschaftlich reizvolle Lage des Ortes an der Haffküste der Kurischen Nehrung genießen. Wer durch die kleinen Straßen schlendert, erlebt die Verbindung von Natur, Geschichte und Kultur, die Nida ausmacht. Gleichzeitig liegt der Badeort eingebettet in eine weitläufige Wald-, Heide- und Dünenlandschaft. Etwa einen Kilometer südwestlich von Nida erhebt sich mit etwa 50 Metern eine der höchsten Wanderdünen Europas. 

Auto+Reise Redakteur Thomas Schreiner.

„Nida ist heute das wichtigste touristische Zentrum auf der Kurischen Nehrung und hat sich dennoch seine Beschaulichkeit bewahrt. Seinen Charme entfaltet der Ort auch durch die ihn umgebende Natur. Wer Nida besucht, sollte die nahe Parnidis-Düne erklimmen. Fantastische Ausblicke auf das Haff lohnen sich.“

Thomas Schreiner

Großarl – das Wanderdorf im Salzburger Land

Wenn es ums Wandern geht, macht dem Großarltal keiner was vor: Mit 400 km markierten Wanderwegen und 40 bewirtschafteten Almhütten hat es eine Ausnahmestellung im Salzburger Land. Mehrere Etappen der Fernwanderwege Salzburger Almenweg und Hohe-Tauern-Panoramatrail liegen im Großarltal.

Der Hauptort Großarl ist der ideale Ausgangspunkt, um die idyllische Almenwelt zu entdecken. Gerade kleine Wanderer kommen hier groß raus, denn nach einem anstrengenden Aufstieg gibt es auf der Alm immer viele Tiere zu bestaunen und bei einer Jause von den Sennleuten produzierte Schmankerl wie frisches Bauernbrot und schmackhaften Käse zu genießen.

Paar wandert in den Bergen über Blumenwiese, im Hintergrund Gondelbahn.
In Großarl im Salzburger Land führen Wanderwege zu vielen urigen Almen. Foto: TVB Großarltal/Th. Wirnsperger

Attraktionen während des ganzen Jahres

Im Ortszentrum von Großarl ist das Freizeitzentrum ein Magnet für Familien und Aktive. Herzstück ist der kostenlose Abenteuerspielplatz „Rucki-Zucki´s Gaudi-Alm“ mit Kristallbergwerk, Bergsee mit Floßanlage, Almbach mit kleinen Stauwerken, Minibauernhof, Goaß-Stall mit Streicheltieren, Gokartbahn und vielem mehr. Im Sommer sorgt das Erlebnis-Schwimmbad für Abkühlung.

Doch Großarl kann natürlich auch Winter: mit 70 km Pisten im Skigebiet Großarltal-Dorfgastein und dem Anschluss zum Verbund Ski amadé mit 760 km Pisten. Bekannt ist das Dorf auch für seinen stimmungsvollen Salzburger Bergadvent mit einem in aufwändiger Handarbeit gestalteten Krippenweg.

Auto+Reise Redakteurin Simone Eber.

„Mein Tipp für Wander-Fans: Großarl bietet über den Verein „Berg-Gesund“ geführte Wandertouren an. Eltern, die mit ihren Kindern das Übernachten auf der Alm ausprobieren wollen, werden beim Familientrekking Alpenfloh fündig.“

Simone Eber

Sommerhausen – ein Künstlerdorf mit besonderem Zauber

Zwischen Mainufer und steil aufragenden Weinbergen öffnet sich in diesem fränkischen Ort eine Welt, in der Kreativität, Historie und Geselligkeit untrennbar miteinander verwoben sind. Die Lage in der Nähe von Würzburg in Unterfranken verleiht dem Dorf seine malerische Kulisse, doch es sind seine Feste, seine Kunstszene und sein unverwechselbarer Charakter, die Sommerhausen zu einem eindrucksvollen Kulturort machen.

Kunst, Handwerk und historische Gassen

Seit Jahrzehnten gilt der Ort als Rückzugsraum für Kunstschaffende. Galerien, Ateliers und das Torturmtheater prägen das Bild der Altstadt. In verwinkelten Gassen liegen Werkstätten für Keramik, Holzkunst und Grafik – oft in jahrhundertealten Gebäuden. Besucher begegnen Kunst hier nicht nebenbei, sondern unmittelbar: beim Durchschlendern der Altstadt, beim Blick in offene Höfe oder beim Besuch der zahlreichen Ausstellungen.

Blick aus der Vogelperspektive auf einen Ort mit historischen Häusern, Kirchturm und Weinbergen im Hintergrund
Zwischen Mainufer und Weinbergen gelegen, begeistert Sommerhausen mit seiner lebendigen Kunstszene. Foto: Katrin Heyer

Weihnachtsmarkt mit einzigartiger Atmosphäre

Besonders eindrucksvoll zeigt sich die kreative Seele des Ortes im Advent. Dann verwandelt sich Sommerhausen an jedem Adventswochenende in ein stimmungsvolles Gesamtkunstwerk. Der Weihnachtsmarkt findet nicht in klassischen Buden, sondern in Höfen, Scheunen, Gewölbekellern und Privathäusern statt – viele davon sonst nicht zugänglich. Dieser Blick hinter die Kulissen macht das Erlebnis einzigartig. Handwerk, Design, Malerei und Genussprodukte aus der Region stehen im Mittelpunkt. Galerien und Cafés bleiben geöffnet, Kunsthandwerker demonstrieren ihre Techniken, und die historischen Gebäude bilden eine atmosphärische Bühne. Mit Einbruch der Dämmerung legt sich ein besonders romantisches Licht über den Ort, während der Duft von Glühwein aus fränkischen Rebsorten und regionalen Spezialitäten die Gassen erfüllt.

Auto+Reise Redakteurin Bettina Glaser.

„Ein Besuch des Sommerhausener Weihnachtsmarkts gehört für mich zur Vorweihnachtszeit dazu. Besonders fasziniert hat mich dort ein Treffen mit der Malerin Annadora Diller-Köninger, die ich vor ein paar Jahren in ihrem Atelier getroffen habe. Sie hat den Markt erfunden und 40 Jahre lang bis ins hohe Alter von 90 Jahren mit viel Hingabe geleitet.“

Bettina Glaser


Noch mehr Dorfschönheiten: Auch diese kleinen Orte haben uns begeistert

Das Künstler-Dorf – Mirmande Frankreich

Blick auf ein am Hang gelegenes Dorf mit historischen Steinhäusern, davor Blumen und Wiese.

Hinter den Stadtmauern verbirgt sich ein Labyrinth an kleinen Gassen, an Häusern mit steinernen Fassaden und alten Holztüren. Bunte Blumentöpfe und kleine Gärten sorgen für mediterranes Flair. 

Dass Mirmande, gelegen im südfranzösischen Département Drôme, 1998 in die Liste der „Plus Beaux Villages de France“, also der schönsten Dörfer Frankreichs, aufgenommen wurde, erstaunt heute niemanden. Dabei stand der Ort, ein ehemaliges Zentrum der Seidenproduktion, durch den Niedergang dieses Wirtschaftszweigs im Lauf des 19. und frühen 20. Jahrhunderts am Rande des Verfalls. 

Zum Glück verliebte sich der kubistische Maler André Lhote in das Dorf und gründete hier in den 1920er-Jahren eine Sommerakademie. Er organisierte Ausstellungen und zog mit seinen Aktivitäten andere Künstler an, die sich in Mirmande niederließen. Noch heute prägen Ateliers und Werkstätten von Malern, Goldschmieden oder Glasbläsern das Straßenbild.

Ein Muss für Besucher ist der Aufstieg zur romanischen Kirche Sainte Foy aus dem zwölften Jahrhundert, die über dem 600-Einwohner-Dorf thront. Von hier aus hat man einen wunderbaren Ausblick über die Dächer von Mirmande und über das Drôme-Tal.

 

„Ich empfehle einen Besuch in Mirmande besonders von April bis September. Dann sind Kunstausstellungen in der Kirche Sainte Foy zu sehen."

Simone Eber

 

Mirmande im südfranzösischen Département Drôme gehört seit 1998 zu den schönsten Dörfer Frankreichs. 
Foto: stock.adobe.com/© 357680 Andre Cuzel

Das Wassersport-Dorf – Woudsend Niederlande

Abendlicher Blick auf einen Fluss mit beleuchteten Booten und Windmühle.

Wer Wassersport liebt und die dörfliche Idylle sucht, ist im friesischen Woudsend richtig. Der Ort liegt zwischen Heegermeer und Slotermeer, mitten im Seengebiet, und bietet mehrere Häfen und Anlegestellen nahe dem Dorfkern. 

Das frühere Handelsdorf empfängt Besucher mit Windmühlen, verwinkelten Gassen und historischen Häusern. Brücken, die den Verkehr behindern, gibt es nicht – Segler und Motorbootfahrer profitieren von gut ausgebauten Wasserwegen und einem Aquädukt, das den Straßenverkehr unterführt. Auch Kanufahrer und Stand-up-Paddler finden in den ruhigen Kanälen passende Bedingungen. 

Dank seiner zentralen Lage ist Woudsend ein idealer Ausgangspunkt für Törns durch die friesische Seenlandschaft. Über das IJsselmeer lässt sich sogar die rund 20 Kilometer entfernte Nordsee erreichen. Boote, Kanus und SUP-Boards können auch vor Ort gemietet werden. 

Am bequemsten ist die Anreise mit dem Auto oder Wohnmobil; Campingplätze liegen teilweise direkt am Wasser. Die beste Reisezeit sind die Sommermonate von Juni bis August, wenn sich die nur wenige Meter tiefen Süßwasserseen auf bis zu 20 Grad erwärmen – ideal zum Baden.

 

„Ich empfehle, der Gastronomie einen Besuch abzustatten. Neben traditionellen Speisen locken auch Fisch- und Meeresfrüchtespezialitäten.“

Wolfgang Sievernich

 

Das friesische Woudsend bietet viele Optionen für Wassersport-Fans sowie einen idyllischen Ortskern mit verlockender Gastronomie.
Foto: Thomas Vaer Fotografie

Das Traumwelt-Dorf – Portmeirion Wales

Park mit bunten Blumen und Wasserfläche, dahinter bunte Häuserfassaden und Kirchtürme.

Wer durch Nordwales fährt, rechnet kaum mit italienischem Flair. Und doch steht genau dort Portmeirion: ein Fantasiedorf mit Campanile, Piazza und pastellfarbenen Fassaden, das eher an Ligurien als an die Küste von Snowdonia erinnert. 

Die Idee dazu hatte Baumeister Clough Williams-Ellis. Ab 1925 formte er über Jahrzehnte aus einem wilden Küstenstreifen ein mediterran anmutendes Gesamtkunstwerk. Er integrierte Bestehendes in seine Neuschöpfungen, entwickelte Sichtachsen, spielte mit Perspektiven – und verfolgte unbeirrt den Traum, Schönheit gegen den grauen Zeitgeist zu setzen. Erst Mitte der 1970er-Jahre war, kurz vor seinem Tod, sein Lebensprojekt nahezu vollendet. 

International bekannt wurde der Ort als Kulisse meist britischer TV-Serien und Filme. Auch Musiker nutzten Portmeirion als Bühne, etwa Siouxsie and the Banshees in ihrem Video zu The Passenger. Größen aus Kunst und Kultur fühlten sich einst angezogen. 

Heute lebt niemand dauerhaft hier. Portmeirion ist Ferienanlage, Ausflugsziel und ein wenig Freilichtmuseum. Besucher zahlen Eintritt und tauchen ein in eine sorgfältig inszenierte Welt, die mit walisischem Wetter ebenso spielt wie mit italienischer Leichtigkeit. Dieser Kontrast macht den Reiz aus: ein Dorf, das nicht gewachsen ist, sondern erträumt – und deshalb bis heute fasziniert.

 

„Bei künstlichen Welten bin ich skeptisch. Aber die Entstehungsgeschichte des Ortes weckte meine Neugier. Hier gibt es zwei Reisen in einem Urlaub.“

Thomas Schreiner

 

Das Fantasie-Dorf Portmeirion mit seinem italienischen Flair diente schon häufig als Film- und Konzertkulisse.
Foto: stock.adobe.com/© Eddie Cloud

Das Schlösser-Dorf – Blangy-le-Château Frankreich

Straßenzug mit Fachwerkhäusern in verschiedenen bunten Farben.

Es sind nicht Schlösser im eigentlichen Sinn, die dem Dorf Blangy-le-Château in der Normandie sogar seinen Namen gegeben haben. Das erste soll eher eine Burg aus dem 11. Jahrhundert gewesen sein, Reste der Mauer stehen immer noch. Zwei weitere Herrenhäuser folgten. 

Über einem Backstein-Gebäude aus dem 19. Jahrhundert prangt heute der Schriftzug „Gendarmerie Nationale“ – dort ist die Polizeistation des 700-Seelen-Ortes in der Region Pays d’Auge (Départment Calvados) untergebracht. Nebenan, im zweiten Château aus dem 16. Jahrhundert, wohnt das Ehepaar Martine und Dominique du Perray, die es vor 35 Jahren aus Paris aufs Land gezogen hat. So wie sie lockt es viele aus der französischen Hauptstadt in die Normandie. Viele Parisiens und Parisiennes haben in Blangy-le-Château ihren Zweitwohnsitz.

2024 wurde der Ort mit dem Label „Plus Beau Village de France“ (schönstes Dorf Frankreichs) ausgezeichnet. Ausschlaggebend dafür war unter anderem die gut erhaltene Fachwerk-Architektur mit Eichenholz aus dem 16. Jahrhundert, die man in der Hauptstraße (s. Bild) in ihren prächtigen Farben bewundern kann. 

 

„Mir gefällt der gemütliche Ort Blangy-le-Château nicht nur wegen der schicken Häuschen, sondern weil in dem kleinen Dorf viel Leben drinsteckt.“

Jessica Blank

 

Blangy-le-Château in der Normandie ist bekannt für seine kleinen Schlösser und seine gut erhaltene Fachwerk-Architektur in der Hauptstraße.
Foto: Jessica Blank

Das Felsendorf – Tüchersfeld Deutschland

Blumen, Fachwerk-Burg und hochaufragender Nadel-Fels im Hintergrund.

Steil aufragende Felsnadeln, dazwischen weiß getünchte Fachwerkhäuser mit rotbraunen Balken – Tüchersfeld, das zu Pottenstein in der Fränkischen Schweiz gehört, wirkt wie aus dem Bilderbuch. 

Hoch über dem Püttlachtal thront die historische Felsburg, heute Sitz des Fränkische Schweiz Museums, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert reichen. Die Burg sitzt auf einem Umlaufberg, der während der Jurazeit aus einem tropischen Riff entstand und durch das Einschneiden der Püttlach zur steinernen „Insel“ wurde. Wer über die steilen Pfade des Fahnensteins wandert, erreicht nach einer Stunde die Aussichtsplattform und genießt den spektakulären Blick auf die roten Ziegeldächer zwischen bizarren Felstürmen. 

Sagen wie das Kühloch hauchen dem Ort Geheimnis ein. Die Durchgangshöhle soll einst Versteck für Vieh und Räuber gewesen sein und ist heute beliebtes Wanderziel. 

Tüchersfeld vereint Natur, Geschichte und fränkischen Charme in einem winzigen Dorf. Jede Ecke erzählt von Jahrmillionen geologischer Formen, mittelalterlichen Machtspielen und der liebevollen Architektur der Fachwerkhäuser – ein perfekter Ort für Wanderer, Fotografen und Kulturinteressierte. 

 

„Mich begeistern die Wanderwege rund um Tüchersfeld. Felsen, Schluchten und Höhlen bieten Abenteuer für alle, die gern in der Natur unterwegs sind.“

Bettina Glaser

 

Von der historischen Felsburg in Tüchersfeld hat man einen spektakulären Ausblick auf das Püttlachtal.
Foto: © TZ Fränkische Schweiz/Florian Trykowski

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