Eine junge Frau sitzt im Auto und schnallt sich an.  © SydaProductions

Seit 50 Jahren Pflicht: Wie der Sicherheitsgurt ins Auto kam

3 min

02.02.2026Jessica Blank

Nachdem vor 50 Jahren die Gurtpflicht eingeführt wurde, haben sich die Unfallzahlen positiv entwickelt. Heute ist der Sicherheitsgurt eine Selbstverständlichkeit – doch das war nicht immer so. Ein Rückblick zum Jubiläum der Gurtpflicht. 

Ein historisches Plakat einer Aufklärungskampagne zeigt eine Frau mit Sicherheitsgurt im Auto.
Mit Aufklärungskampagnen versuchte die Verkehrswacht vom Sicherheitsaspekt des Gurtes zu überzeugen. Foto: Deutsche Verkehrswacht

Einsteigen, anschnallen, losfahren – für die meisten Autofahrer ein ganz normaler Ablauf. Doch so selbstverständlich war das Anlegen des Sicherheitsgurtes nicht immer. Vor 50 Jahren wurde in der damaligen Bundesrepublik die Gurtpflicht für die Vordersitze eingeführt, in der DDR wurde der Dreipunktgurt erst 1980 obligatorisch. Die Skepsis unter den Autofahrern war groß: „Der Gurt schadet der weiblichen Brust.“ „Es ist gefährlich, sich ans Auto zu ketten, ich komme da nicht raus.“ Von solchen Mythen berichtet die Deutsche Verkehrswacht (DVW), die sich damals maßgeblich für die Einführung der Gurtpflicht einsetzte. Diesen fadenscheinigen Argumenten begegnete sie mit Aufklärung. „Gegenüber der Politik konnten wir mit Zahlen punkten: Über 21.000 Verkehrstote jährlich zwangen zum Handeln“, erzählt Kirsten Lühmann, Präsidentin der DVW. 

Noch 1975 seien Experten im Unfallverhütungsbericht der Bundesregierung skeptisch gewesen, ob der Sicherheitsgurt zur Verminderung von Unfallfolgen beitragen würde. „Ein Jahr später war die Überzeugung gereift, die Gurtpflicht – nur für die Vordersitze und noch nicht bußgeldbewehrt – einzuführen“, erklärt Lühmann. Die Praxis habe schnell die erforderlichen Zahlen gebracht: „Der Sicherheitsgurt rettet Leben.“ Für alle Mitfahrer wurde der Gurt 1979 verpflichtend. Und erst seit 2006 gilt die Anschnallpflicht in ganz Europa!

Erfindung des Schweden Nils Ivar Bohlin

Verwunderlich, dass der Dreipunktgurt erst so spät verpflichtend in Westdeutschland eingeführt wurde. Meldete doch der Schwede Nils Ivar Bohlin den Dreipunktgurt schon 1958 zum Patent an. Der Ingenieur beim Autohersteller Volvo brachte den Sicherheitsgurt, der bereits seit über 50 Jahren bekannt war, in seine bis heute bekannte Form – die erste, die sich durchsetzte. Volvo hatte Bohlin bei Saab abgeworben, wo er sich als Flugzeugingenieur mit Schleudersitzen und Gurten für Piloten befasste. 
Als erstes Auto mit serienmäßigem Dreipunktgurt kam der Volvo 544 im Jahr der Patentanmeldung in Schweden auf den Markt. Schon 1961 hatten in Schweden drei Viertel aller Neufahrzeuge einen Sicherheitsgurt verbaut. 


„Der Sicherheitsgurt rettet Leben.“

Präsidentin der Deutschen Verkehrswacht

Kirsten Lühmann,


Eine historische Anzeige zur Einführung der Gurtpflicht.
In Auto+Reise warb man schon 1975 für einen Dreipunktgurt für alle Insassen. Foto: ARCD

In der BRD gab es ab 1974 eine Einbaupflicht in neu zugelassene Fahrzeuge, die DDR war 1970 etwas früher dran. Bereits Anfang der 1970er-Jahre startete die Verkehrswacht die Kampagne „Erst gurten, dann starten!“ Doch viele Autofahrer glaubten weiterhin: „Meine Kleidung zerknittert.“ Oder: „Der Gurt ist unmännlich.“ Viele befürchteten eine Einschränkung ihrer Freiheit oder zweifelten den Sicherheitsaspekt an. Selbst logische Argumente konnten damals kaum Sympathien für den Sicherheitsgurt wecken. Der ARCD titelte 1975 einen Artikel in Auto+Reise mit „Sind Sie noch ein Gurtmuffel?“ und klärte über die Technik und die Vorteile des Dreipunktgurtes auf.

Die Anschnallquote lag selbst nach der Einführung der Gurtpflicht bei nur 60 Prozent. „Deshalb haben wir mit Kampagnen, Vorführungen und Simulationen gezeigt, welche Kräfte bei einem Unfall wirken und wie der Gurt schützt“, berichtet Lühmann. Diese umfassende Aufklärung und das ab 1984 eingeführte Verwarngeld von 40 D-Mark hätten dazu geführt, dass sich das Anschnallen als alltägliche Routine durchgesetzt habe.

Nachdem Bohlin den Dreipunktgurt entwickelt hatte, haben weitere Erfindungen wie Airbag, ABS, Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer sowie Knautschzone die Verkehrssicherheit verbessert. Doch all das wäre ohne den Sicherheitsgurt wertlos. Laut Unfallforschern ist ein Airbag für nicht angegurtete Insassen beinahe wirkungslos und sogar gefährlich. Sicherere Infrastruktur, gesetzliche Regelungen wie die Promillegrenzen und stetige Verkehrserziehung komplettieren das Paket, das die Unfallzahlen ab 1976 sinken ließ. „Erst das Zusammenspiel dieser Maßnahmen hat den Straßenverkehr dauerhaft sicherer gemacht“, betont Lühmann. „Dabei dürfen wir mit unseren Anstrengungen nicht nachlassen – wie die 2.770 Verkehrstoten im Jahr 2024 eindringlich zeigen.“ 

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Porträtbild der Auto+Reise-Redakteurin Jessica Blank.

„Ich kann mir Autofahren ohne Dreipunktgurt gar nicht vorstellen. Für mich ist der Gurt das Normalste der Welt.“

Jessica Blank


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